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Spätzle-Anschlag auf Kollwitz-Denkmal

15.01.2013 | Thomas Trappe | 5 Kommentare

Eine Spaß-Terrorgruppe hat das Denkmal mit Nudeln beschmissen. „Free Schwabylon" fordert einen autonomen schwäbischen Bezirk und die Ausweisung Wolfgang Thierses.

Gestern wurde das Denkmal von Käthe Kollwitz auf dem Kollwitzplatz von Unbekannten mit Spätzle, einer schwäbischen Nudel-Spezialität, beschmissen. Der oder die Unbekannten, es handelt sich allem Anschein nach um eine Spaß-Guerilla, wollen damit für „einen autonomen schwäbischen Bezirk in Berlin" eintreten. Ein Protest gegen die zur Weihnachtszeit von Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse losgetretetene „Schwaben-Debatte". Auf der gestern online gegangenen Internetseite heißt es dazu: „Lange genug hat die schwäbische Bevölkerung Berlins unter Fremdherrschaft und Diskriminierung gelebt. Lange genug mussten sie ihre Weckle als 'Schrippen' kaufen und ihre Fleischküchle als 'Buletten'. Lange genug haben sie Groll und Missgunst ertragen. Ein neuer Morgen dämmert über dem Prenzlauer Berg. Schwabylon wird frei sein."

Die oder der Unbekannte – die Seite verfügt über kein Impressum – haben klare Gebietsvorstellungen vom schwäbischen Bezirk: „Der Kollwitzplatz als Zentrum der Berliner Schwaben soll schwäbisch werden. In einem Viereck um den Platz sollen Schwäbinnen und Schwaben so schwäbisch sein können, wie sie wollen. Wir fordern die Gründung des Bezirks Schwabylon: zwischen der Danziger Straße im Norden, der Metzer Straße im Süden, der Schönhauser Allee im Westen und der Prenzlauer Allee im Osten." Das Viereck soll ein Ort sein, „an dem große Berliner Schwaben gewürdigt werden. Wir fordern deshalb die Umbenennung des Kollwitzplatzes in Einsteinplatz und der Knaackstraße in Hegelstraße."

 

Denkmal „Symbol einer autoritären Berliner Minderheit"

 

Mit der Aktion soll darauf hingewiesen werden, „dass Berliner uns wie Bürger zweiter Klasse behandeln. Während Schwaben an der kulturellen und wirtschaftlichen Zukunft der Stadt arbeiten, siechen Berliner in ihrem Trotz dahin." Deshalb sei es nötig, den „antischwäbischen Agitator Wolfgang Thierse aus Schwabylon" auszuweisen. Das Kollwitz-Denkmal versteht Free Schwabylon als „Symbol einer autoritären Berliner Minderheit". Es sei mit Spätzle belegt worden, „weil wir wütend sind". Es gebe noch große Spätzlevorhaben bei der Zelle. „Unsere Spätzleschaber werden nicht ruhen, bis Schwabylon frei ist. Und sei es, dass der gesamte Prenzlberg unter einer Spätzleschicht schwäbischer Wut verschwindet."

Am Vormittag protokollierte ein Polizist die Nudel-Attacke - die Internetseite der Täter war ihm noch nicht bekannt. Der Polizist erklärte, dass wohl nicht von einer Sachbeschädigung ausgegangen werden könnte, da die Spätzle nicht zerstörerisch wirkten. Eventuell sei der Tatbestand "Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener" gegeben.

 

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Kommentare

1 | flopti | 15. Jan. 2013 14:10

Besser spät als nie, na endlich wurde mit dieser Pazifistin, Abtreibungsbefürworterin und NS-Gegnerin Kollwitz noch abgerechnet.
Ein dreifaches Hoch auf die völkische Landsmannschaft Neuschwabenland!

[irony off]

2 | Käthe | 15. Jan. 2013 14:39

Antischwa heißt Angriff!
Bringt die Currywurstkatjuscha in Stellung!

3 | ibex | 15. Jan. 2013 18:41

Es ist eine Schande wenn solche pubertierende Provinzschranzen, das Antlitz einer so großen Künstlerin verunglimpfen. Sich freiwillig in Ghettos zu begeben, wenn Ihr dass wollt dann solltet Ihr wirklich zurück nach Schwaben, was wollt Ihr dann hier? "Freies Schwabylon" - in einem selbstgebauten Gefängnis, wie krank seid Ihr Nationalidioten!

4 | Anna | 16. Jan. 2013 12:00

Wer glaubt denn eigentlich im Ernst, dass das "Schwaben" waren? Oder dass so eine Aktion und solche Forderungen von Leuten stammen könnten, die Kehrwochen einführen und den Kollwitzmarkt wegklagen wollen? Passt irgendwie so überhaupt nicht zusammen, oder? Bin ich die Einzige, die denkt, dass das irgendwelche Irren sind, die mit ihrem "Spaß" nichts weiter wollen, als die Diskussionen anheizen und Unfrieden stiften? Und, im Zweifel, den Schwabenhass im Bezirk noch schüren? Und es klappt ja offenbar.
Statt dass man sich hier mal um ein konstruktives Miteinander bemühen würde, geht's bei sowas nur noch ums Frontenverhärten. Schönen Dank auch. So werden hier mal wieder alle Klischees bedient.

5 | ReinholdSteinle | 16. Jan. 2013 17:45

Als geborener Schwabe führe ich seit 2008 regelmäßig und ausschließlich durch Nord-Neukölln.
Bisher habe ich noch keine Diskrimierung erlebt. Ich muss aber auch sagen, dass in Nord-Neukölln wenig prominente Politiker wohnen.

Zu dem Thema: Spätzle gehören auf den Tisch und auf keine Denkmäler.
Und ganz sicher nicht auf das von Käthe Kollwitz.

Reinhold Steinle

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