Neuer Stauraum unter der Greifswalder

von Juliane Schader 13. Mai 2014

Falls auch Sie sich gefragt haben, was diese zweite Tram-Haltestelle an der Greifswalder Straße soll: Die Berliner Wasserbetriebe sind schuld. Ist aber alles nur vorübergehend.

An Tramhaltestellen mangelt es am S-Bahnhof Greifswalder Straße derzeit nicht. Zusätzlich zum bewährten Stopp stadtauswärts hinter der S-Bahnbrücke ist vor einigen Wochen ein weiterer vor der Brücke dazugekommen. Wird hier etwa ein berüchtigter Unfallschwerpunkt entschärft? Mehrmals kamen schon Menschen zu Schaden, die über die Abzäunungen an der alten Haltestelle auf die Straße sprangen, um einen Weg abzukürzen.

Nein, damit habe das gar nichts zu tun, sagt Jens-Holger Kirchner (Grüne), Pankows Stadtrat für Stadtentwicklung. „Die Berliner Wasserbetriebe planen da eine Großbaustelle.“

 

Kanäle zu Stauräumen

 

Genauer gesagt geht es sogar um zwei Baustellen an der Kreuzung Greifswalder/Storkower/Grellstraße, ist von den BWB zu erfahren. Zum einen wird dort eine 78 Meter lange Abwasserleitung entlang der Greifswalder Straße erneuert. Nördlich und südlich der Kreuzung ist das bereits erfolgt; nun fehlt noch der Mittelteil. Zum anderen werden auch hieß Maßnahmen ergriffen, damit in Zukunft kein Abwasser mehr in die Flüsse gelangt.

In Berlin landen Regen- und Abwasser in denselben Kanälen – Mischkanalisation nennt man das. Wenn bei Starkregen die Kanäle überzulaufen drohen, wird das Wasser in die Flüsse abgeleitet. Um die damit verbundene Verschmutzung einzudämmen, werden derzeit Berlinweit unterirdische Staumöglichkeiten geschaffen, in denen das Wasser in Zukunft bei Starkregen zwischengespeichert und später kontrolliert Richtung Klärwerk abgeleitet werden kann.

 

Gebaut wird bis Ende November

 

Unter der Greifswalder Straße wird nun eine Schwelle in einem bestehenden Abwasserkanal erhöht, sodass in diesem in Zukunft Wasser gestaut werden kann. Zuvor wurde schon an der Storkower Straße ein Wehr gebaut, um einen weiteren Kanal zum Speicherplatz aufzurüsten. Und auch der unter dem Mauerpark geplante Tunnel soll diesem Zweck dienen.

Zwar seien für die anstehenden Arbeiten nur eher kleine Baugruben vonnöten, erklärt Stephan Natz, Pressesprecher der Wasserbetriebe. Doch diese müssten im Bereich der Tramhaltestelle eingerichtet werden, was deren kurzzeitige Verlegung erklärt.

Beginnen sollen die Arbeiten, die insgesamt eine Millionen Euro kosten sollen, voraussichtlich in dieser Woche. Ab September nutzt auch die BVG die Gelegenheit und erneuert auf der Strecke Gleise, sodass die Strecke dann zeitweise nur einspurig befahren werden kann. Bis Ende November soll alles fertig sein. Dann soll auch die provisorische Haltestelle wieder verschwinden.

 

Mehr Sicherheit durch Stacheldraht

 

Und was ist jetzt mit der Verkehrssicherheit? Wäre es nicht eine gute Gelegenheit, auch dafür etwas zu tun, wenn dort eh gebaut wird? „Das Problem ist, dass dort Leute die vorhandene Absperrung missachten. Was sollen wir machen? Eine Mauer mit Stacheldraht und Selbstschussanlagen aufbauen?“, fragt Stadtrat Kirchner. „Das ist die Eigenverantwortung der Bürger.“

Die einzige Möglichkeit darüber hinaus bestände darin, von der Haltestelle der Straßenbahn aus einen Aufzug direkt auf das S-Bahngleis zu bauen. Dafür müsste aber der S-Bahnsteig verbreitert und die Brückenkonstruktion verändert werden. Da diese Lösung zur Barrierefreiheit betrüge, sei zwar das Finanzielle nicht das Problem. Aber der hier zuständigen Bahn fehle einfach „der absolute Wille“, meint der Stadtrat.

 

 

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