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Mauerpark im Dialog

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Nochmal mit PR

27.06.2013 | Juliane Wiedemeier | 4 Kommentare

"Mauerpark im Dialog", so heißt die neue Website der Groth-Gruppe. Auf Augenhöhe geht es da nicht zu. Gleichzeitig erscheinen Pro-Bau-Kommentare im Netz, teilweise von einer IP-Adresse.

Zuletzt hatte Investor Klaus Groth kein glückliches Händchen bei der Kommunikation mit den Bürgerinitiativen am Mauerpark. Ein Anwaltsschreiben schickte er ihnen ins Haus, in dem er ihnen Unsachlichkeit und das Verbreiten von Falschaussagen unterstellte. Daraufhin gab es mächtig Ärger; selbst die Politik fand es nicht in Ordnung, dass hier engagierte Bürger derartig eingeschüchtert wurden.

Klaus Groth ist lernfähig. Nun versucht es mit der freundlichen Form der beeinflussenden Kommunikation, der PR.

 

Hauptsache was mit Dialog

 

Mauerpark im Dialog heißt die Internetseite, die so gar nicht wie eine aufgeblasen-professionelle Werbeseite daher kommt, sondern auf dem einfachen Blog-System Wordpress basiert. "Wir laden Sie herzlich ein, sich auf den folgenden Seiten über die tatsächliche Bebauung zu informieren und mit uns in den Dialog zu treten, falls Sie zu der Bebauung weitere Fragen haben", heißt es dort. Klingt kuschelig, auf Augenhöhe und der Name der Seite ist sicherlich nur durch Zufall ganz ähnlich dem der Seite "Kieze im Dialog", wo die Bürgerwerkstatt Ihre Arbeit dokumentiert. 

In ihrem Impressum steht die Groth Developement GmbH. Inhaber der Domain ist die allod media C2 GmbH, deren Geschäftsführer Thomas Groth heißt, der den gleichen Posten auch bei der Groth Gruppe bekleidet. Die Fragen, die unter dem Reiter "Dialog" auf der Website aufgeführt werden, beantwortet die "Redaktion", hinter der sich die PR Agentur Stöbe Mehnert verbrigt, die ebenfalls für die Groth-Gruppe arbeitet. Das alles ist völlig legal und Groths gutes Recht. Einen Dialog anzustoßen scheint nach all dem Streit und Anwalts-Bemühen ja auch gar keine schlechte Idee.

Fraglich ist jedoch, ob hier der richtige Ton getroffen wird: Bei kritischen, öffentlich diskutierten Fragen wie den Nutzungskonflikten am Moritzhof oder der Baustellenzufahrt werden alle Bedenken als falsch und nur die Investorensicht als richtig dargestellt. Zudem wird erneut die Bürgerwerkstatt diskreditiert, indem sie in einer Antwort als "keine sehr verlässliche Quelle" bezeichnet wird. Ein Gremium, das sich seit Jahren ehrenamtlich für den Park und seine Umgebung engagiert und zudem vom Land Berlin gefördert und gewollt ist, so abzutun, sagt mehr über den Diskeditierenden als über den Diskreditierten. 

 

Verschiedene Kommentare, gleiche IP

 

Mit dieser neuen Seite begibt sich die Groth-Gruppe auf ein Feld, auf dem bislang nur die Aktivisten des Parks zu Hause waren: Ins Internet. Schon seit Jahren dokumentieren die Bürgerwerkstatt, die Freunde des Mauerparks und die Stiftung Weltbürgerpark, um nur einige Websites zu nennen, ihre Arbeit, ihre Ziele und ihre Konflikte im Netz. Dort haben sie, die gerade massiv gegen die von Groth geplante dichte Bebauung nördlich des Gleimtunnels mobil machen, bislang die Lufthoheit. Nun ist die Groth-Gruppe auch hier mit Blogger-Anmutung aktiv.

Und nun zu etwas völlig anderem: Vor ein paar Tagen tauchten plötzlich erstmals auch Kommentare auf den Websites auf, die sich positiv zum den Bebauungsplänen äußerten. Einige der Kommentatoren auf der Website der Freunde des Mauerparks sowie auf unserer Seite hinterließen zwar unterschiedliche Namen und E-Mail-Adressen, aber die gleiche IP-Adresse. Außerdem wurde vor einiger Zeit die Website der Stiftung Weltbürgerpark gehackt. 

 

 

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Kommentare

1 | fluxus | 27. Jun. 2013 19:27

Da Herr Groth jetzt anscheinend aufs Internet setzt: ebendort gibt es auch die sehr interessante SFB-Dokumentation von 2001 von Ursel Sieber und Mathew D. Rose über Immobiliengeschäfte, Politik und Berliner Filz - am Beispiel des Berliner Baulöwen Klaus Groth - zu sehen:

"Der Baulöwe, die Stadt und der Filz: Klaus Groth – eine Berliner Karriere"
http://wirbleibenalle.org/?p=620

2 | K H | 28. Jun. 2013 09:39

Gelungener Artikel. Aber wie könnt Ihr sehen , dass die Einträge die selbe IP haben?!

3 | Juliane Wiedemeier | 28. Jun. 2013 10:02

@KH
Wer hier auf der Seite kommentiert, dessen IP-Adresse wird erfasst (steht so auch in den AGBs, denen man zustimmen muss, bevor man kommentieren kann). Weil sonst eher Bau-kritische Kommentare verfasst werden, haben wir einfach mal ein wenig genauer hingesehen, und die Übereinstimmung der IP-Adressen bemerkt. Die Freunde des Mauerparks sind mit einer ähnlichen Beobachtung an uns herangetreten. Persönliche Daten wurden nicht weitergegeben.

4 | echt-berliner | 05. Jul. 2013 13:14

Also icke als Berliner (Ost), Prenzlberger und Mauerpark-Lieberhaber-lange-bevor-er-Wochendend-Hipster-Treffpunkt wurde (falls mich das irgendwie qualifiziert) finde die Groth-Seite ganz okay. Man muss Groth zugestehen, die an ausreichend Stellen plakativ-populistisch aus dem Ruder laufende Diskussion zumindest dort wieder auf eine sachliche Ebene runterzuholen und über Fakten zu reden. Andere bieten dafür wenig Forum, was bleibt also, als die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Sicher muss man kein Fan von Eigentumswohnungen sein, aber ich finde die Bebauung des nördlichen Teils (der ja allgemein nie als dem Mauerpark zugehörig empfunden wurde, sondern gefühlt ein uninteressantes Stück Wedding irgendwo hinter den sieben Bergen war) vollkommen in Ordnung, wenngleich Look und Anordnung der Gebäudeentwürfe streitbar sind. Und es ist nun mal so - eine Stadt wie Berlin verändert sich stetig. Auch im Pberg-Kern finde ich gut, dass hier und da ein schickes neues Haus in einer ehemaligen Häuserlücke entsteht, denn das wertet die Straßen auf. Und das, obwohl mir klar ist, dass an einigen Stellen bestehende Dinge weichen, wie der KdR, was sehr schade ist, weil es ein Stück Pberg-Geschichte ist. Aber diese neue Architekturmischung macht Berlin auch metropoler, das wiederum zieht Geld in die Stadt, was diese bekanntermaßen auch nötig hat. Nun ist es beim Mauerpark so, dass er im gleichen Zug sogar größer wird und damit endlich ein paar mehr natürliche Bäume bekommt, wo vorher Trostlosigkeit anmutete - der Mauerpark war nie ein schöner Park, schon immer eher roh. Was für ein Geschenk also. Kann man sich nicht darüber ein bisschen freuen, anstatt diesen Teil irgendwie als Selbstverständlichkeit abzutun? Und beim Raufhauen auf den Bauherr kommen mir die Verantwortlichkeiten des Bezirks viel zu kurz, warum kann der den ganzen Ärger an den Bauherren umleiten? Und muss der sich schlecht fühlen, weil er ein Ansinnen des Bezirks umsetzt und dabei selbstverständlich auch wirtschaftliche Gesichtspunkte im Auge hat? Sind alle Projektkritiker selbstlose Edelmänner und -frauen? Klar, dass jemand auf seiner eigenen Webseite eine im eigenen Sinne förderliche Rhetorik darbietet. Aber man muss sich nur mal die Fragen durchlesen, um zu erkennen, dass hier, wie in jeder Veränderungsdiskussion, mal wieder das anscheinend urdeutsche Empörungs-Malrichtigauskotz-Syndrom Raum greift. Wutbürger ist schick grade, auch weil es dafür so bequem wenig Aktion braucht. Die Antworten auf der Webseite sind sachlich und knapp und gut. Die PR-Agentur macht einen guten Job. Die Beauftragung einer solchen, um seitens des Auftraggebers rhetorische Fehlgriffe zu vermeiden, ist nicht verwerflich. Falls die Foren-Kommentar-Verzerrung zutrifft, ist das eine andere - ethische - Frage. Aber auch hier ist nicht verwunderlich, dass, was geht, auch gemacht wird. Solche Strategien finden sich auch zuhauf auf der Seite der Malrichtigauskotzer, und zwar so sicher wie die deutsche Pflichterfüllung.

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