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Alltag

Alltag | Stilkritik

Kinderwagen, nein danke!

25.09.2012 | Sabine Voss | 3 Kommentare

Das Bild von den Müttern, die mit dem Kinderwagen durch Prenzlauer Berg ziehen und zwischendurch Latte Macchiato schlürfen, könnte bald der Vergangenheit angehören. 

Cafés in Prenzlauer Berg ohne Mütter, ohne Latte Macchiato und ohne Kinderwagen, wird es das bald geben? Ja, zumindest, wenn „The Barn Roastery" in der Schönhauser Allee 8 einen neuen Trend markieren sollte. So wird in der Bar mit angeschlossener Rösterei der handgebrühte Kaffee grundsätzlich nur schwarz serviert („For us it would be like adding milk to champagne"). Und zudem sind Kinderwagen in der ganz in weiß gehaltenen Kaffeebar verboten.

Die „Barn Roastery" ist eigentlich ein barrierefreies Lokal, es gibt keine Stufen und eine breite Eingangstür. Das Café selbst ist geräumig - und lädt so zum Kinderwagen mitbringen ein. Damit dennoch die Besuchsregeln eingehalten werden, wurde „Pollino" aufgestellt. Ein Betonpoller. Ein aufgeklebtes Zettelchen klärt darüber auf, dass Besuche nur ohne Kinderwagen erlaubt sind.

 

Kaffeebar mit Anleitung

 

Auch sonst bricht die Bar mit Prenzlauer-Berg-Gewohnheiten. Der Gebrauch von Laptops oder iPads ist ausschließlich an einem speziellen Lesetisch gestattet, der nur im Stehen benutzt werden kann. Wer das ignoriert, wird vom Englisch sprechenden Personal sanft darauf hingewiesen, bitte aufzustehen. „We think it disconnects people while they are here", heißt es dazu in der Sprachregelung, die auf dem Tresen liegt. Auch das Kinderwagenverbot wird begründet: „The reason we don't allow prams is a high risk of fire or smoke in our manufacturing space." Die Feuergefahr, die von der Rösterei ausgeht, sei für das Mitbringen von Kinderwagen einfach zu hoch.  

Ganz am Ende der Anleitung steht die Entschuldigung: „Please enjoy your stay and forgive our passion and care that may restrict your habits." Was soviel heißt wie "Genieß Deinen Aufenthalt bei uns und vezeihe, dass unsere Leidenschaft und Fürsoge vielleicht Dein gewohntes Leben einschränken."

Ups.   

                                                                          ***

 

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Kommentare

1 | hasenfuss | 25. Sep. 2012 21:31

Wenn man weiß, dass "barn" im Schwedischen für Kind steht, dann ist das Kinderwagenverbot sehr sinnvoll. Bevor jemand das mit der Kinderrösterei zu wörtlich nimmt.

2 | karlludwig | 26. Sep. 2012 05:59

Der Poller müsste auch Rollstuhlwagenfahrer aussperren. Denn da wo kein Kinderwagen durchpasst passt auch kein Rollstuhl durch.
Kann es sein, dass der Betonpoller direkt vor der Tür gesetzt wurde und dass im Falle eines Feuers sich die Tür nicht ganz öffnen lässt und die Menschen die fliehen wollen über den Betonpoller stolpern?
Behindertenfeindlichkeit und zu dem eine Gefahr im Ernstfall. Großes Kino.

3 | 123 | 03. Okt. 2012 15:08

Man kann zur Geschäftsidee nur gratulieren - Angebote dieser Art, wo auf Respekt geachtet wird, sind leider zu selten. Kinder/Mütter/Vätercafes gibt es ja gerade in dem Stadtteil zur Genüge - warum sollen Menschen, die sich nicht benehmen können und nur ihren Ego-Trip fahren, überall die Atmosphäre verpesten dürfen?

Das Bild von den Müttern, die mit oder ohne Kinderwagen durch Prenzlauer Berg ziehen und laut ins Handy blöken ohne sich um das nervende Geschrei ihrer Göhren zu kümmern, wird leider nicht bald der Vergangenheit angehören...

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