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Alltag

Turmfalken 2

Alltag | Tiere

Jedem Tierchen sein Revierchen

01.06.2016 | Kristina Auer

UPDATE Fledermäuse im Mauerpark, Nachtigallen am Arnimplatz und Füchse im Thälmannpark – in Prenzlauer Berg gibt es eine reiche Tierwelt. Jetzt im Frühling kann man die wilden Nachbarn vielerorts entdecken.

UPDATE 1. Juni 2016:

Auf dem begrünten Dach der Max-Schmeling-Halle leben seit kurzem zwei Bienenvölker. Nachwuchs-Imker: Rauf aufs Hallendach! Betreut werden sie laut Velomax-Presse von einem professionellen Imker, der auch Schulungen anbietet. (ane)

 

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Fünf kleine, graue Eier liegen aktuell im Glockenturm in der Senefelder Straße, die werdende Vogelmutter bewacht sie aufmerksam: Im MachMit-Museum in der ehemaligen Eliaskirche nistet jedes Frühjahr eine Turmfalkenfamilie. „Ungefähr Ende Mai erwarten wir, dass das erste Küken aus dem Ei schlüpft“, sagt Maren Klingbeil, die pädagogische Leiterin des Museums. „Die ersten Flugversuche gibt es dann Anfang Juli.“ Im Museum kann man über eine Live-Übertragung aus dem Glockenturm dem jungen Familienglück zuschauen.

Trotz seiner urbanen Struktur lebt in Prenzlauer Berg eine reiche Vielfalt an Wildtieren. „Sie können in Prenzlauer Berg mit Fledermäusen, Igeln, Eichhörnchen, Kaninchen, Füchsen, Steinmardern und Waschbären rechnen“, sagt Jan Itza vom Forstamt Pankow. Außerdem leben viele Vogelarten hier. Die Tiere suchen die Nähe des Menschen, weil sie dort Nahrung finden. „Sie profitieren von der Wegwerfgesellschaft, sind nicht anspruchsvoll und lernen, mit dem Straßenverkehr umzugehen“, sagt Itza.

 

Eine Waschbärenfamilie in der Kleingartenanalage

 

Die Annahme, die Stadt sei ein ungünstiger Lebensraum für die Tiere, stellt sich also als Irrtum heraus: „Inzwischen ist die Artenvielfalt in den Städten oft höher als auf dem Land, weil es hier mehr verwilderte Bereiche und weniger Pestizide gibt als auf dem Land“, sagt Herbert Lohner vom Bund für Umwelt und Naturschutz BUND. Viele Tiere bevorzugten die Stadt, weil es dort wärmer ist und mehr Nahrung und Wohnraum zur Verfügung stehe. „In der ausgeräumten Landwirtschaft sehen sie beispielsweise derzeit kilometerweit nur Rapsfelder, das ist kein guter Lebensraum“, sagt Lohner.

Wildtiere kommen auf allen Parkflächen, Brachen, verwilderten Gebieten und S-Bahn-Trassen vor. Auch in den Kleingartenanlagen sind sie oft zu finden. „Füchse und Igel sind bei uns schon fast Haustiere“, sagt Wolfgang Hartpfeil, Vorsitzender des Bezirksverbands der Kleingärtner in Prenzlauer Berg. Im vergangenen Sommer gab es im Kleingartenverein Grönland am Volkspark Prenzlauer Berg ganz besondere Gäste: „Dort hat eine ganze Waschbärenfamilie gewohnt. Nachts haben die immer mächtig Lärm gemacht“, sagt Hartpfeil.

 

Füttern verboten

 

Der Waschbär ist hierzulande ein besonderes Phänomen: Eigentlich in Nordamerika heimisch, sollen einige Tiere in den 1930er Jahren aus einer Pelztierfarm in der Nähe von Kassel ausgebüchst sein, so Herbert Lohner vom BUND. Seitdem vermehrten sie sich rasant. Die große Zahl der Tiere kann zum Problem werden: Sie ernähren sich von anderen Tieren wie Vögeln und gefährden die Bestände einiger Arten, außerdem können sie in Gärten und Dachstühlen Sachschäden verursachen. „Einige Tiere gehören nicht in die Stadt und so unmittelbar in die Nähe der Menschen“, sagt Jan Itza vom Forstamt Pankow. „Mir wäre es ganz lieb, es gäbe in Berlin etwas weniger Füchse und Waschbären.“

Das Füttern von Wildtieren ist übrigens strengstens verboten und kann zu einer Geldstrafe von bis zu 5.000 Euro führen. Tatsächlich ergeben sich viele Probleme aus dem falschen Umgang mit den Wildtieren, die für Menschen aber in der Regel keine Gefahr darstellen. Wenn die Tiere gefüttert werden, vermehren sie sich unkontrolliert, das biologische Gleichgewicht wird gestört. Außerdem verlieren sie ihre angeborene Scheu vor dem Menschen, was wiederum das Gefahrenrisiko erhöht und vermehrte Sachschäden an Gärten und Häusern mit sich bringen kann. Deshalb ist im Umgang mit den Tieren respektvoller Abstand angesagt. Das gilt besonders jetzt im Frühling für Jungtiere, wie die Senatsverwaltung erst vergangene Woche mitteilte. Elterntiere lassen ihren Nachwuchs bei der Nahrungssuche vorübergehend alleine, heißt es. Wer also ein vermeintlich verlassenes Jungtier sieht, muss sich keine Sorgen machen und darf das Tier auf keinen Fall anfassen oder mitnehmen. Mit dem nötigen Wissen und Abstand steht dem friedlichen Zusammenleben von Mensch und Tier in Prenzlauer Berg dann nichts im Wege.

 

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Diese Woche kümmern wir uns in unserem Schwerpunkt um die Tierwelt in Prenzlauer Berg. In unserem Podcast haben wir den Nachtigallen auf Partnersuche gelauscht. Außerdem waren wir mit einem Schädlingsbekämpfer vor Ort unterwegs.

 

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