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24.07.2013 | Thomas Trappe

Man kann jetzt in den Westen. Die Erweiterungsfläche im Norden des Mauerparks wurde zur „Zwischennutzung" übergeben. 2016 soll sie sogar schön sein.

Das Konzept, zwei Stadtteile durch einen breiten Mauerstreifen zu trennen, hat sich in Berlin etwas überlebt – seit heute findet das auch Niederschlag in der Gestaltung des nördlichen Mauerparkgeländes. Die unansehnliche Brachfläche trennt jetzt nicht mehr Gesundbrunnen von Prenzlauer Berg, nein, jetzt verbindet sie beide Stadtteile. Politiker in Anzügen weihten heute Vormittag eine Teerstrecke zwischen Max-Schmeling-Halle und Lortzingstraße ein, durchschnitten Bänder und sprachen Worte. Ein „historischer Moment", sagte jemand.

Mit dickeren Anzügen kamen die Politiker ja bereits im vergangenen Winter, damals ging es darum, ein Bauschild in Betrieb zu nehmen. Auf dem steht, dass der Mauerpark auf Seite des Bezirks Mitte erweitert werden soll. Heute, also für Berliner Bauverhältnisse nur einen Wimpernschlag später, konnte die Fläche zur „temporären Zwischennutzung" freigegeben werden. Sieht alles noch ein wenig aus wie bei Lumpi, kann aber schon begangen werden. Und, wichtiger, kann durchquert werden. Bisher war das beim Mauerpark nur durch den Gleimtunnel möglich, eine dunkle Grotte.

 

Weitere Fläche zur Zwischennutzung ab 2014

 

„Fast ein historischer Moment", sagte also Carsten Spallek (CDU), für Mauerparkbebauungsfragen zuständiger Bezirksstadtrat in Mitte; denn immerhin weiche knapp 24 Jahre nach dem Mauerfall diese Grenze nun auch im Mauerpark. Zur geplanten Wohn-Bebauung im Norden des Parks teilte Spallek bei dieser Gelegenheit mit, dass seit einigen Wochen nun offiziell der Antrag der Groth Gruppe im Bezirksamt vorliege. Es würden jetzt 40 Behörden und Träger öffentlicher Belange angehört, danach sei ein Bezirksamtsbeschluss zu erwarten und dann ein Bebauungsplan. Auch für den Süden des Parks würden noch Gespräche geführt: Dort sollen die derzeitigen Nutzer, unter anderem die Mauersegler und Trödelhändler, wahrscheinlich per Erbbaupachtvertrag eine dauerhafte Bleibe finden. Dafür einen B-Plan zu entwerfen, sei aber recht schwer, so Spallek. Da müssten noch Juristen ran. 

Es dauert also alles noch eine Weile, auch bei der jetzt eröffneten zwei Hektar großen Erweiterungsfläche. Bis Anfang 2015 gelte hier die Diagnose „Zwischennutzung", was heißt, dass die Grün Berlin die Pflege übernimmt und Bürger sich frei im Feld bewegen können. Zum Beispiel   mit „Kisten zum Gärtnern". Demnächst sollen noch Sitzmöglichkeiten, Basketballkörbe und eventuell ein Sandkasten aufgebaut werden. 2015 soll die erweiterte Parkfläche dann richtig hergerichtet werden. Ein Jahr später, das ist der Zeitplan, soll der Mauerpark südlich um weitere drei Hektar erweitert werden. Die Zwischennutzung für diese Fläche sei voraussichtlich ab Frühjahr 2014 möglich, teilte ein Vertreter der Grün Berlin GmbH mit. 

 

Kritik an Bezirk Pankow und Groth Gruppe

 

Die Politiker sprachen freilich auch böse Tadel aus. Zum einen Stadtrat Spallek. Er mahnte den Nachbarbezirk Pankow, sich doch darauf zu besinnen, dass der Bezirk Mitte seine Entscheidungen selbst treffe, zum Beispiel, wenn es um ein Grillverbot geht. Dieses herrscht in Mitte, aber nicht auf Pankower Seite des Mauerparks, und Spallek will daran nach jetzigem Stand auch nichts ändern. „Schuster, bleib bei deinen Leisten", zitierte der Stadtrat einen beliebten Kalenderspruch, um die Autonomie von Mitte zu betonen und sich Einmischungsverbote zu verbitten. 

Und auch Christian Gaebler (SPD), Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, ließ sich die Gelegenheit nicht nehmen, und ermahnte die Groth Gruppe, „Bürger nicht mundtot" zu machen. Er spielte dabei auf einen etwas missglückten Brief an, den Bebauungsgegner kürzlich von Anwälten der Groth Gruppe erhielten. So etwas finde er „unangemessen", sagte Gaebler. 

 

Grill-Appell bleibt unbeantwortet

 

Rainer Krüger, Sprecher der Bürgerwerkstatt und damit Gegner einer „Vollbebauung" im Norden des Mauerparks, bezeichnete die Eröffnung der Ost-West-Trasse und die Übergabe der Erweiterungsfläche schließlich als „einen Tag der Freude". Trotzdem bleibe er bei seinem Widerstand gegen die Wohnbebauung nach derzeitigem Planungsstand. Und auch das Grillverbot auf Seite des Bezirks Mitte sollte doch nochmal ein Prozess des In-sich-Hörens beim Stadtrat Spallek auslösen, appellierte Krüger. Spallek verweigerte die gebetene Sofort-Antwort. Und durchschnitt ein mitgebrachtes Band. Der Weg nach drüben, er ist nun offen.

 

Zu unserem Dossier zum Mauerpark

 

 

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