Einzelhändler: Prenzlauer Berg braucht mehr Touristen

von Redaktion der Prenzlauer Berg Nachrichten 17. Januar 2011

Touristen sind in Prenzlauer Berg als Einkäufer unterrepräsentiert. Das meint der Handelsverband Berlin-Brandenburg. Zum Fremdenverkehr gebe es keine Alternative. Die Kaufkraft vor Ort sei zu gering.

Nach Einschätzung des Handelsverbands Berlin-Brandenburg gehen dem Einzelhandel in Prenzlauer Berg Umsätze verloren, weil er sich nach außen zu schlecht präsentiert. Vor allem Touristen seien als Einkäufer unterrepräsentiert, sagte Verbandsgeschäftsführer Nils Busch-Petersen den Prenzlauer Berg Nachrichten. Häufig werde das Gegenteil vermutet, doch die Realität sehe anders aus.“ Die Touristen bleiben oft in der Spandauer Vorstadt hängen“, sagte Busch-Petersen. Das „Oeuvre des Prenzlauer Bergs“ sei einer der Gründe für die seit 2004 stetig steigenden Touristenzahlen in ganz Berlin. Es sei deshalb folgerichtig, wenn der lokale Einzelhandel in Prenzlauer Berg mehr davon profitieren würde. „Berlin hat gerade eine Sonderkonjunktur, aber Prenzlauer Berg bekommt wenig davon ab.“

Auch in Prenzlauer Berg gebe es dabei für den Einzelhandel keine Alternative zum Fremdenverkehr. Nach Berechnungen des Einzelhandelsverbands machen die Läden in der Hauptstadt 20 Prozent ihres Umsatzes mit Touristen. Berlin sei keine kaufkräftige Stadt, das werde sich auch in absehbarer Zukunft nicht ändern und gelte auch für Prenzlauer Berg. Busch-Petersen rechnet auch nicht mit einem weiteren überproportionalen Anstieg der Kaufkraft in Prenzlauer Berg, wie sie seit den 90er Jahren durch die hohe Bevölkerungsfluktuation zu beobachten war.

 

Aus Prenzlauer Berg fließt Kaufkraft ab

 

Die Einschätzung des Handelsverbands deckt sich mit Daten, die zuletzt im Oktober 2010 in einem Gutachten für das Bezirksamt Pankow von einer Unternehmensberatung ermittelt worden waren. Demnach liegt die sogenannte Einzelhandelszentralität für den gesamten Bezirk Pankow bei 97 Prozent. Gemeint ist damit das Verhältnis zwischen dem erzielten Umsatz und der vor Ort vorhandenen Nachfrage der Einwohner. Anders ausgedrückt: Aus Pankow und Prenzlauer Berg fließt Kaufkraft ab – ein für innerstädtische Lagen in Deutschland ungewöhnliches Phänomen. Pro Jahr geht es dabei um rund 273 Millionen Euro. Dem stehen Käufe durch auswärtige Konsumenten in Höhe von 221 Millionen Euro im Jahr gegenüber. Ein großer Teil der Kaufkraft aus Prenzlauer Berg fließt in die City-West und zum Teil auch in Richtung Alexanderplatz und Potsdamer Platz ab.

Busch-Petersen führt diese Entwicklung auf die besondere Art der Gründerzeitbebauung in Prenzlauer Berg und die Situation in den 90er Jahren zurück: „Prenzlauer Berg hat sich im Vergleich zu anderen Bezirken aus Handelssicht langsam entwickelt.“ Für größere Neubauprojekte habe nach der Wende der Platz gefehlt, auch viele Eigentumsfragen seien noch ungeklärt gewesen. Deshalb gebe es mit den Schönhauser Allee Arcaden auch nur ein Einkaufszentrum mit mehr als 20 000 Quadratmetern Verkaufsfläche im Stadtteil. „Es war aber auch eine Gnade, dass in Prenzlauer Berg zunächst nicht viel passiert ist“, sagt der Verbandsgeschäftsführer. Inzwischen gebe es Nischen für kleinteiligere Einzelhandelsstrukturen. Rund um den Kollwitzplatz zum Beispiel könnten sich Läden ansiedeln, die andernorts keine Chance hätten. Busch-Petersen rechnet mit einem moderaten Wachstum der Verkaufsflächen, warnt aber gleichzeitig: „Die Entwicklung der Kaufkraft wird damit nicht Schritt halten.“

 

Zu wenig Auswahl an Fachgeschäften

 

Defizite bestehen aus Sicht des Handelsverbands bei der Versorgung mit Fachgeschäften in Prenzlauer Berg. In diesem Bereich werde es für kleine Geschäfte allerdings zunehmend schwieriger, sich am Markt durchzusetzen. Das hänge mit der „Discounterisierung“ zusammen, die für den Einzelhandel wesentlich folgenreicher sei als der Internethandel. Wenn ein Discounter zum Beispiel einmal im Jahr eine „Pferdewoche“ mit entsprechendem Zubehör veranstalte, dann würden sich viele potenzielle Kunden damit für ein ganzes Jahr eindecken. Entsprechend schwierig werde der Markt dann für Fachgeschäfte.

Ein mögliches Indiz für solche Probleme könnte die relativ hohe Leerstandsquote bei Ladenflächen im Bezirk Pankow sein. Nach dem Gutachten für das Bezirksamt waren im vergangenen Herbst rund 16 Prozent aller Geschäfte im Gesamtbezirk nicht vermietet. Für Prenzlauer Berg dürfte diese Quote zwar deutlich niedriger liegen, doch mit den explodierenden Wohnungsmieten bereiten hier auch die steigenden Gewerbemieten Probleme. So gibt es Sorgen vor zunehmendem Leerstand zum Beispiel in der Husemannstraße, die besonders im Visier der Immobilienunternehmer steht. „Allerdings gibt es immer Ups and Downs in bestimmten Straßen“, sagt Busch-Petersen dazu. „Das war auch mal Anfang der 90er Jahre in Berlin der Fall. Da hatten manche Gewerbevermieter Dollarzeichen in den Augen.“  Er glaube jedoch, dass der Markt das regeln könne. Wenn Vermieter die entsprechenden Preise nicht mehr erzielen könnten, dann müssten sie sie langfristig senken – ansonsten liefen sie Gefahr, die eigene Straße zu demontieren.   



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