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Alltag | Nordisches Viertel

Doch nur Premium

11.01.2016 | Thomas Trappe

Auf der Brache im Nordischen Viertel hat der Investor gewechselt. Dort sollen jetzt doch keine Mietwohnungen entstehen – sondern hochpreisige Eigentumswohnungen.

Ein alter Löschteich mit vielen Überraschungen: Das erwarten die Bauherren des Wohnprojektes „nio“, das dieses und nächstes Jahr im alten Grenzgebiet zwischen Malmöer, Bornholmer und Finnländischer Straße hochgezogen werden soll. Man wisse bisher, dass dort ein Endkampf-Löschteich der Wehrmacht aus den letzten Kriegstagen zu verorten sei, sagt Sandra Discher, mitverantwortliche Koordinatorin des nio-Projektes. „Sicher wurde der zugeschüttet, mit was, wissen wir nicht“, sagt sie. „Es könnten natürlich auch Kriegsgeräte darunter sein oder andere Trümmer.“ Sprengstoffexperten würden das noch prüfen, bevor demnächst die Baugrube ausgehoben werde. Auf der dann, anderthalb Jahre später, 190 Eigentumswohnungen zu Spitzenpreisen bezogen werden können.

Das Bauprojekt hat eine lange Vorgeschichte. Bereits 2014 bekam der Investor Gefiplan aus Brandenburg laut Bezirksamt eine Baugenehmigung für das Gelände, zugelassen worden sei eine Wohnblockbebauung mit fünf Geschossen in Form eines Us. Der Investor erklärte damals auf Anfrage, dass sich der Beginn der Bauarbeiten verzögere, die Abtragung des vermuteten Kriegsschuttes sei schwieriger als gedacht. Seitdem wurde es ruhig um das Projekt – offenbar, weil Gefiplan das Gelände loswerden wollte. Denn neuer Investor ist seit Mitte letzten Jahres die Premium Immobilien Deutschland GmbH, ein Ableger der Wiener Premium Immobilien AG. Der Name ist dabei erklärtermaßen Programm: Die von Premium verwirklichten Projekte wenden sich an Bestverdiener.

 

150 Quadratmeter für 700.000 Euro

 

Statt aus Aluminiun sind Türgriffe dann zum Beispiel aus Edelstahl, und solche Feinheiten in der gesamten Wohnung sorgen für entsprechende Preise, die man auf der nio-Internetpräsenz anschauen kann. Knapp 700.000 Euro für eine 150-Quadratmeter-Wohnung werden demnach fällig, eine Einraumwohnung gibt es ab 166.000 Euro. 194 Wohnungen werden gebaut, darunter auch Town- und Penthouses. Die U-Form bleibt bestehen, allerdings aufgeteilt in zwei planerisch unabhängige Einheiten. Für eine laut Projektbeschreibung eher klassisch gehaltene Seite ist das Architekturbüro von Klaus Theo Brenner und Dominik Krohm zuständig, für die andere Hälfte das Büro Bruzkus Batek. Dieses soll auch die zwei Gartenhäuser bauen.

Zwei Büros zu beauftragen, sagt Sandra Discher, sei Teil eines „optimierten Plans“ gewesen. Unzufrieden ist die Premium-Gruppe unter anderem mit der Ursprungsidee gewesen, weitgehend konforme Grundrisse in den Wohnungen anzubieten. Auch die Tiefgarage falle jetzt größer aus als ursprünglich geplant, sagt Sandra Discher, drei Etagen seien vorgesehen.

 

 

Jede fünfte Wohnung ist bereits verkauft

 

Fast zwangsläufig ist da eine andere Planänderung. Während der alte Investor noch ankündigte, dass beim Projekt „größtenteils Mietwohnungen“ entstehen sollen, ist davon jetzt nicht mehr die Rede. Sämtliche Wohnungen werden verkauft, bestätigt Sandra Discher. Gewerberäume seien nicht geplant, einzig Büros und Kanzleien seien denkbar – dies sei eine Vorgabe des Bauamts gewesen, da es sich beim Nordischen Viertel um eine geschlossene Wohnbebauung handle.

Im Frühjahr sollen die Bauarbeiten an der Bornholmer Straße beginnen, im Winter 2017 könnten dann die ersten Wohnungen bezogen werden. Seit September läuft der Verkauf – jede fünfte Wohnung hat nach Auskunft der beauftragten Immobilienfirma David Borck schon einen Eigentümer. Der Altinvestor Gefiplan war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

 

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