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Wann wird’s gefährlich?

07.10.2014 | Thomas Trappe | 7 Kommentare

Der BFC Dynamo spielt seit dieser Saison im Jahnstadion, nicht ohne unangenehme Begleiterscheinungen. Das liegt auch an Neonazis, die sich in der „Legion Germania“ tummeln. Wir zeigen, wann es wieder brisant wird.

Ist jetzt nicht leicht, den Mann nicht zu nennen und nicht zu zitieren. Zum einen, weil er eine wichtige offizielle Position im Verein inne hat, zum anderen, weil das, was er sagt, so unverfänglich wie berechtigt ist. Aber gut, der anonyme Mann ist genervt von Anfragen, in denen die Wortgruppe „rechtsextreme Fans“ auch nur mitgedacht sein könnte, und deshalb ist er nur gerade so bereit, nicht gleich wieder aufzulegen. Das, was er sagt, soll trotzdem erwähnt werden, denn es spricht viel dafür, dass es stimmt. Der BFC Dynamo, Fußballverein mit langer Tradition und seit dieser Saison im Jahn-Stadion zuhause, ist kein Hort rechtsextremer Fans. Und der Verein hat alles ganz gut unter Kontrolle. Sehr schön. Trotzdem soll an dieser Stelle mal darüber gesprochen werden, wann es in der kommenden Saison – unter Umständen – eventuell auf's Maul gibt.

Seit dieser Saison spielt der BFC Dynamo in der Regionalliga Nordost, die die fünf östlichen Bundesländer und Berlin umfasst – seine Spielstätte ist seitdem der Jahn-Sportpark in Prenzlauer Berg, wo er auch schon zu DDR-Zeiten auflief. Der neunte Spieltag wurde am vergangenen Wochenende ausgetragen, und dass jetzt die Frage im Raum steht, ob ein Begleitumstand von BFC-Spielen eine etwas unsichere Gesamtlage im umliegenden Prenzlauer Berg ist, liegt an einer einfachen Statistik: An zwei Spieltagen gab es bisher in dieser Saison Ausschreitungen, die mit den vorangegangen Spielen in Verbindung gebracht wurden – das betraf also fast jedes zweite Heimspiel. Zum ersten Mal krachte es am 29. August, nach dem Lokalderby gegen die 2. Mannschaft des 1. FCs Union Berlin, verfeindete Fangruppen attackierten sich gegenseitig auf ihren Weg durch Prenzlauer Berg. Und am 20. August dann das Spiel gegen den SV Babelsberg, dem viele linke Fans zugeschrieben werden: Hier kam es zu Gewalt gegen Fans, laut Babelsberger Fanbeirat nahm diese ihren Ausgang in Attacken von Rechtsradikalen, nachdem die Babelsberg-Fans sich vom Stadion in den Club BAIZ bewegten. Allerdings ist hier nicht erwiesen, ob es sich um Gewalttäter aus den Reihen des BFC-Publikums handelte. Die Vorfälle im Club waren kürzlich auch Thema im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses – es ging um den Vorwurf unangebrachter Polizeigewalt.

 

„Auschwitz ist eure Heimat, die Öfen sind euer Zuhause!“

 

Dass es Rechtsextreme unter den Fans des BFC gibt, ist unstrittig. Sie sind in einer eigenen Gruppe organisiert, im vereinsübergreifenden Netzwerk „Legion Germania“. Hier sind neonazistische Fans der Vereine Lok Leipzig, BFC und Lazio Rom zusammengeschlossen, letzterer erfreut das Klientel mit dem offiziellen Namen S.S. Lazio. Über den Charakter der Legion Germania gibt es nicht viel zu rätseln, wie ein Blick auf die Facebook-Seite zeigt. Am 20. September wurde hier ein Plakat abgebildet, das Lazio-Fans bei einem Spiel entrollt hatten: „Auschwitz ist eure Heimat, die Öfen sind euer Zuhause!“ - der Beitrag ist einer der beliebtesten der vergangenen Monate. Beim Spiel gegen den SV Babelsberg 03, so heißt es beim BFC, seien Plakate oder Spruchbänder der Legion verboten gewesen, und das habe man auch durchgesetzt. Dem widerspricht ein weiterer Facebook-Post genannter Seite. Dort wird „Fünf Jahre Legion – Sport frei“ gefeiert, kommentiert mit der Zeile „BFC am letzten Spieltag gegen 03“. Ansonsten zeigten sich Anhänger der Legion allerdings nicht als solche, heißt es beim Verein. Was freilich auch bedeutet, dass ihre Relevanz nicht recht erfasst werden kann.

Bemerkenswert ist bei der Quellenlage die Sicht des Berliner Verfassungsschutzes auf die Legion Germania. „Über eine rechtsextremistische oder anderweitig Verfassungsschutz-relevante Ausrichtung der 'Legion Germania' ist hier nichts bekannt“, wird dort erklärt. Man wisse aber immerhin inzwischen, dass die Legion ein „Zusammenschluss von Fans/Hooligans“ sei. Und bei der Berliner Polizei heißt es dazu: „Es gibt nach bisherigem Erkenntnisstand keine größere rechte Fangruppe.“

 

Polizei sieht keinen Anlass zur Sorge

 

Bleibt ein Ausblick auf Begegnungen, die in dieser Saison noch anstehen und ein gewisses Gefahrenpotenzial haben. Zu nennen wäre da das Spiel gegen den FSV Zwickau (19. April 2015): Schon zu DDR-Zeiten eine nicht unbrisante Kombination, die gerne mal zu Scharmützeln führt. Hinzu kommt, dass bei Zwickau-Spielen auch gerne Fans von Dynamo Dresden anreisen, was gelegentlich auch Gewalttourismus bedeutet. Auch beim 1. FC Magdeburg gibt es etwas zu erwarten (8. November), wie es ein profunder Kenner der Regionalliga so schön ausrückt, dass man es einfach zitieren muss. „Das ist ein Ostklassiker. Da gibt's schon aus Traditionsgründen auf die Mappe.“ Dann ist da noch der Berliner AK 07 (2. November) zu nennen, ein Verein mit vielen Spielern mit Migrationshintergrund, aber ohne viele Fans – wie sich hier rechtsextreme BFC-Fans verhalten, ist unklar, immerhin wird ja auch ihr eigener Verein von einem Mann mit türkischen Wurzeln trainiert. Eine ähnliche Konstellation schließlich wie die Begegnung mit Babelsberg ist schließlich ein Spiel gegen den FC Carl Zeiss Jena (6. Dezember) – auch dort gibt es eine alternative Fanszene.

Die Polizei, so Sprecher Stefan Redlich in der vergangenen Woche auf Anfrage, schließe nicht aus, „dass es bei Spielen gegen Vereine mit links(extremen) Fangruppen ein erhöhtes Konfliktpotenzial gibt“. Allerdings, so die Einschränkung, hätten die bisherigen vier Heimspiele des BFC gezeigt, dass es keine keine „Auffälligkeiten beim Fanverhalten“ gegeben habe - „mit Ausnahme der Spiele gegen Union II sowie Babelsberg“. Gefahr für „linke“ Einrichtungen – wie das BAIZ – bestehe nicht. Zumal bis jetzt nicht geklärt sei, ob den Zwischenfällen im BAIZ nicht „eine Aktion der Gästefans vorausging. Die Erfahrungen der letzten Jahre, bei denen anlassbezogen der BFC Dynamo bereits im Jahn-Sport-Park gespielt hatte, ergaben keine Hinweise auf ein erhöhtes Bedrohungspotenzial für linke Einrichtungen im Bezirk Pankow.“ Eine offizielle Presseanfrage beim BFC zum Thema blieb bis heute unbeantwortet.

Kommentare

1 | Nadjezda | 07. Okt. 2014 08:45

Wann die entsprechenden Begegnungen genau stattdinden wäre jetzt noch interessant ;)

2 | Thomas Trappe | 07. Okt. 2014 09:22

Stimmt. Wir haben das nachgeholt. Vielen Dank für den Hinweis.

3 | Robbi Haschker | 07. Okt. 2014 11:03

Und was machst du dann Nadjezda? Den Prenzlauer Berg verlassen, Haus und Scheiben verbarikatieren?
Wie schon bei Facebook geschrieben, bisher fand ich Eure Artikel interessant, lustig, informativ. Der ist auf jeden Fall nichts von dem. Der ist nur eines: ganz schlechter Journalismus! Sachade

4 | Dirk Schneider | 07. Okt. 2014 16:24

Es gibt nicht wenige BFC-Fans auch im Prenzlauer Berg - durchaus auch mit akademischem Hintergrund. Ich empfinde den Bericht als überheblich und deplaziert. Die Gentrifizierung hat voll zugeschlagen.

Was der BFC mit Volkan Uluc an Integrationsarbeit in Berlin leistet, sucht in P Berg meines Wissens seines Gleichen.
Insgesamt also tendenziös, mindestens..

Dass übrigens immer wieder einige Rechte versuchen, bei Fußballfans unterzuschlüpfen, davon kann Union (Stichwort "Crimark") oder Borussia Dortmund ein Lied singen.

5 | Eiterbeule | 08. Okt. 2014 17:23

Danke das sie dem Verein und den Leuten die hier jeden Tag zum größten Teil ehrenamtlich arbeiten, mit diesem Artikel einen bärendienst erweisen. Genau durch solche tendenziösen Artikel, werden bestimmte Leute angezogen, weil sie glauben auf hunderte Gleichgesinnte zu treffen. Dies macht die nicht immer einfache Fanarbeit nicht einfacher.
Und zu guter Letzt ein Artikel das MDR: http://www.mdr.de/sport/fussball_rl/bfc104.html
Verträgt sich irgendwie nicht mit ihrem.
Und für alles die es genau wissen möchten, um das Wochenende den Prenz'l Berg verlassen zu können, hier die Termine:

Sonntag, 26.10.14, 13:30 Uhr, BFC Dynamo - FSV Wacker Nordhausen
Sonntag, 02.11.14, 13:30 Uhr, BFC Dynamo - Berliner AK 07
Samstag, 08.11.14, 13:30 Uhr, BFC Dynamo - 1. FC Magdeburg
Sonntag, 30.11.14, 13:30 Uhr BFC Dynamo - FSV Budissa Bautzen
Samstag, 06.12.14, 13:30 Uhr, BFC Dynamo - FC Carl-Zeiss Jena
Sonntag, 08.03.15, 13:30, Uhr, BFC Dynamo - FC Viktoria 1889
Sonntag, 22.03.15, 13:30 Uhr, BFC Dynamo - Germania Halberstadt
Sonntag, 05.04.15, 13:30 Uhr, BFC Dynamo - VFC Plauen
Sonntag, 19.04.15, 13:30 Uhr, BFC Dynamo - FSV Zwickau
Sonntag, 03.05.15, 13:30 Uhr, BFC Dynamo - Berliner AK 07
Sonntag, 17.05.15, 13:30 Uhr, BFC Dynamo - TSG Neustrelitz

Natürlich sind aber auch alle sehr gern eingeladen, mal ein Spiel des BFC Dynamo zu besuchen und sich eine eigene Meinung zu bilden!

wrw Grüße

6 | Dostojewski | 08. Okt. 2014 19:26

Um die in der reißerischen Überschrift gestellte Frage zu beantworten: Gefährlich ist die Art von Journalismus, die lediglich mit gutgepflegten Stereotypen jongliert und in letzter Konsequenz ein völlig undifferenziertes Bild zeichnet.

Der neutrale und geneigte Leser dürfte in Erwartung von Horden gewaltbereiter Neonazis zu den - glücklicherweise auf Nachfrage nachgereichten Spielterminen - sicherheitshalber die Stadt, zumindest jedoch den Stadtbezirk Prenzlauer-Berg verlassen. Tatsächlich werden die zurückgebliebenen, je nach Perspektive, besonders Schussligen oder Mutigen beim Anblick des Fußballanhangs des BFC Dynamo alle Vorurteile bestätigt sehen, da an einigen kommenden Samstagen überdurchschnittlich viele sportlich gekleidete Kurzhaarige, gern auch tätowiert, die Schönhauser Allee entlang schlendern dürften. Ähnlichen Ärger bereiten zeitgleich ähnlich gekleidete Sportbegeisterte dem hier verschreckten bürgerlichen Publikum in Glasgow, London, Hamburg, Warschau, Florenz, oder sonst wo.

Das Gros der Anhänger des BFC Dynamo betrachtet sich selbst als „unpolitisch sportinteressiert“. Es gibt Linke und ja, auch Rechte. Die erwähnte „Legion“ tritt in erster Linie mit Aufklebern in Erscheinung. Richtig ist, dass der Klub sich politisch klar gegen Rechtsradikalismus positionieren muss. Das tut er auch mit den bescheidenen Mitteln eines Fußballvereins, zuletzt beim Spiel gegen Babelsberg mit Flugblättern, auf denen er dazu aufruft, sich nicht politisch instrumentalisieren zu lassen. Es gibt „Antirassismus-Banden“ im Stadion, in der Satzung ist der Begriff fest verankert, neofaschistische Kleidung ist im Stadion verboten. Ein türkischstämmiger Berliner trainiert das Team seit Jahren und wird dafür verehrt. Um Missverständnisse zu vermeiden: Ich persönlich halte das, wie die meisten für völlig selbstverständlich und eigentlich nicht erwähnenswert. Der Tenor des Artikels jedoch schreit geradezu nach etwas Aufklärung.

Richtig ist, dass es beim BFC Dynamo durchaus ein großes Potential „erlebnisorientierter Sportgewalt“ gibt. Diese betrifft jedoch nicht – wie im Titel impliziert – irgendwelche Passanten, vielmehr trifft man sich fast immer mit Gleichgesinnten, aus vielerlei Gründen tendenziell weit vom Stadion entfernt. Gleiches lässt sich, vielleicht weniger deutlich ausgeprägt, auch für andere Städte und Vereine feststellen. Die Gleichsetzung von Hooligans und Rechtsradikalen im Artikel illustriert sehr anschaulich, wie oberflächlich der Artikel verfasst ist. Ich könnte dies hier episch ausführen, verzichte aber darauf.

Der angesprochene Vorfall an der Szenekneipe „BAIZ“ eignet sich im Übrigen wohl eher zu einer Betrachtung des Umgangs der Polizei mit Fußballfans. Ernsthaft Interessierten sei hier die entsprechende Stellungnahme des BAIZ-Kollektivs als Lektüre empfohlen.

Es sollen übrigens im BAIZ von Zeit zu Zeit sogar Fans des BFC Dynamo zu Gast sein…

7 | Hans Waldorf | 11. Okt. 2014 15:02

Vielen Dank für diesen wirklich "informativen" Beitrag. Für den Autor gibt es sicher noch andere berufliche Perspekiven, da Satzformulierungen und Hintergrundwissen eher als mangelhaft bezeichnet werden müssen. Auch das Schüren von Angst und Haß ist für den sozialen Frieden nicht förderlich. Man könnte es auch als versteckte Hetzkampagne sehen. Natürlich hat jeder das Recht zur freien Meinungsäußerung, aber das muß man sich nicht wirklich antun. Journalismus mit Behauptungen, aber gleichzeitig wissend das diese nicht stimmen und im Nachsatz die Gegendarstellung hinterlegen um rechtlich auf der guten Seite zu sein, nenne ich Nett!!? Oder Absicht.
Gruß von einem akademischen,aber weder zur rechten oder linken Ecke gehörenden,Leser

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