Google+

Alltag

Kastanienallee 63

Alltag

Alte Bäume in der Kastanienallee 63 gefällt

Aktualisierte Fassung mit Statement der Investoren

21.03.2011 | Juliane Wiedemeier | 3 Kommentare

Die Bemühungen des Bezirksamts Mitte zum Erhalt zweier alter Bäume in der Kastanienallee 63 blieben ohne Erfolg - am Samstag wurden sie für ein Neubauprojekt gefällt.

Die Männer mit den großen Sägen kamen am frühen Morgen. Noch bevor die Kastanienallee am Samstagvormittag Ihren Betrieb aufnahm, waren von den beiden über 100 Jahre alten Bäumen auf dem Grundstück in der Kastanienallee 63 nur noch die Stümpfe übrig. Die Bemühungen des zuständigen Bezirksamtes in Mitte, den geplanten Neubau mit Eigentumswohnungen und Tiefgaragen an den Erhalt der Kastanie und Platane zu knüpfen, sind damit offensichtlich gescheitert.

„Ich war total geschockt, als ich am Samstag kurz vor zehn zur Arbeit ging", sagt Tom Liebig, der seit zehn Jahren in der Kastanienallee lebt. „Die Bäume waren völlig gesund, und ich dachte, sie sollten erhalten werden." Er habe nur zusehen können, wie ein Trupp Arbeiter die Bäume Stück für Stück zerlegte. „Die Straße schläft an einem Samstag um diese Uhrzeit eigentlich noch. Die haben bestimmt mit Absicht diesen Termin für Ihre Fällarbeiten ausgewählt."

 

Senat erklärte Bauantrag für rechtmäßig und damit  Baumfällung für notwendig

 

Rein rechtlich gingen die Baumfällungen jedoch in Ordnung. Die Baugenehmigung für das Gelände sei schon erteilt gewesen, als der Bezirk Mitte die Bäume für erhaltenwert erklärte, sagt Petra Roland, Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. „Daher musste die Senatsverwaltung dem Widerspruch der Investoren gegen das Vorgehen des Bezirks stattgeben."

Ephraim Gothe (SPD), Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung in Mitte meint: "Ich habe den Ausschuß für Umwelt und Verkehr darüber letzten Dienstag informiert. Es tut mir sehr leid, aber ich hatte damit keine rechtmäßigen Mittel mehr, die Fällung zu verhindern."

Dass die Bäume schon so kurz, nachdem die Erlaubnis dafür erteilt worden war, gefällt wurden, liegt laut Jaroslaw Plewinski, Sprecher der Investorengemeinschaft Diamona & Harnisch, an der BVG. "Aus Sicherheitsgründen konnten die Bäume nur an einem Tag gefällt werden, an dem die Tram nicht fährt und die Oberleitungen demnach ausgeschaltet sind." Dies sei, durch Zufall, am vergangenen Wochenende der Fall gewesen. "Die nächste Gelegenheit für die Fällungen wäre erst in mehreren Monaten gewesen, daher ging alles so schnell."

Nach diesem Wochenende ist die Kastanienallee also um zwei Bäume ärmer. Bei Diamona & Harnisch sollte man sich nun jedoch ein neues Logo für Ihr Eigentumswohnungs-Projekt ausdenken - bislang prangt neben dem Schriftzug „Kastanienallee 63" noch ein stilisierter Kastanienbaum.

Kommentare

1 | RaBe | 22. Mär. 2011 23:57

ach weeßte ....

mit D&G klamotten und brillen loofen doch eh die doofen schon rum
.....

laß uns doch die straße erkenntlich in ......

D&H eigentumsboulevard ... klamm und heimlich ... umbenennen,

watt bedeutet schon natur ... man merkt sie nur,

wenn ihre gewaltenfreiheit beginnt und ihr schutz versagt ;-))))

RaBe ;-))

2 | Daniel | 22. Apr. 2011 21:52

... eigentlich waren die zwei Bäume ja schon ganz schön ... und auch recht imposant ... und eine schöne Auflockerung des Straßenbildes.
Mit welchem Recht haben die DiamonosundHarnische noch einmal die Fällungen veranlasst? ... des Stärkeren? ... oder einfach nur des Dümmeren und Frecheren?
Aber mit so viel Bescheuertheit sind sie ja nicht allein auf weiter Flur.

3 | andreasw | 09. Sep. 2011 01:27

Wie sich doch alles wiederholt: Schon 1996/1997 sollten für ein Bauvorhaben im Prenzlauer Berg ( an der Greifswalder Str.) zwei hundertjährige Kastanien gefällt werden. Damals erkämpfte die Betroffenenvertretung Bötzowviertel einen Kompromiß: Die Bäume wurden "halbiert" und blieben (vorerst) stehen. Wer heute aber an dem Haus vorbeikommt ( direkt Haltestelle Hufelandstr.) wird von den halbierten Bäumen nix mehr sehen, sie wurden irgendwann - als sich die Aufregung gelegt hatte - doch noch gefällt. Schon damals konnten/wollten Bezirkspolitiker nicht helfen. Man fragt sich, wozu überhaupt noch ne BVV gewählt wird, wenn sie eh nichts zu entscheiden hat?

Unsere Wochenpost

Auszeichnung / Presserat

Folgen Sie uns!